Paläozoikum

Geboren wurde ich an einem 24.07. in Lauf a.d. Pegnitz. Nach ein paar Tagen musste ich schon umziehen. Vom damals alten Krankenhaus in das damalig Neue. Werbewirksam hatte ich da meinen ersten Auftritt. Ich wurde vom Bürgermeister persönlich getragen, weil ich Haare hatte und gut gefüttert der Welt das Wohlwollen entgegenbrachte, das Neugeborenen selten zu eigen ist.
Na ihr Schreihälse, wie war der Transfer zweiter Klasse? Jahre später lernte ich eine Frau kennen (die Petra), die am selben Tag, wie ich im alten Krankenhaus das Licht der Welt und so weiter...
Die hatte es nicht so gut wie ich, sie interessierte den Bürgermeister weniger. Ob es an ihrer Glatze lag oder sie zuviel blökte, weiss ich nicht. Sie hatte es auch später sehr schwer, sehr sehr schwer.

Ein paar Tage später musste ich zum zweiten Mal umziehen, nach Reichenschwand, einem kleinen fränkischen Straßendorf, das zu den Dörfern zählte, die immer “zwischen” oder “bei” liegen. Reichenschwand liegt “zwischen” Lauf und Hersbruck,
etwas näher “bei” Hersbruck..
In Reichenschwand angekommen hatte ich erstmal genug vom umziehen.
Ach ja, das Kind braucht ja einen Namen.... Liebe Eltern eins sei euch ans Herz gelegt, gebt dem Kind einen geläufigen Namen.
Projiziert nicht eure Sehnsüchte und Wünsche in den Namen. Das Kind wird deswegen nicht automatisch ein gutaussehender Schauspieler nur weil er Keanu oder Sean-Leonardo heisst. Macht euch am besten überhaupt keine Gedanken, er bekommt eh von seinem Freundeskreis einen Spitznamen egal ob er Malte-Torben oder Joaquin-Leon heisst.
Das alles kann ich euch jetzt erzählen, damals fehlten mir noch die Worte. So kam es wie es kommen musste. Von nun an hiess ich Michael Pasquale Peppino, die sardischen Wurzeln eben... Aber wer will das schon einer alleinerziehenden Mutter übelnehmen.
Na wenigstens nicht Hans-Detleff oder gar Isidor, wie es meine Mutter vier Jahre später bei meinem Bruder ernsthaft in Erwägung zog.

ersteWeihnachtSchöne Bescherung!
Meine erste Weihnacht. Nackt auf dem Arm von Kuseng Horst. Der Baum in der Ecke. Obenauf ein Rauschgoldengel. Die echten Kerzen waren zu schwer, die Befestigung billig und wenig durchdacht.
Sie ragten in alle Richtungen, sogar kopfüber. Alles schön nah am Vorhang, damit die Bude ja ausbrennt bis die Feuerwehr anrückt. Das war aber überall so. Dass da nicht mehr passiert ist. Ich-mit-hut
Das Wunder der Weihnacht.



Mein erster Fasching. Instinktiv begegne ich diesem Fest, wie es dies verdient. Ernst und skeptisch.
Doch ich mache mit. Eine rheinische Frohnatur werde ich wohl nie, dafür muss man mir aber auch nicht mit einem Tusch anzeigen, wenns lustig wird.
Das Faschingsbild ist im Haus der Grosseltern gemacht. Ich wurde von den Grosseltern betreut, da meine Mutter ja arbeiten musste. Das Verhältnis zwischen meiner Mutter und Opa war schlecht. Er verzieh ihr die Schande nicht, mir gegenüber liess er sich aber nichts anmerken. Er hatte mich lieb. Einmal als die Grosseltern krank waren, wurde ich für etliche Wochen im Kinderheim in Neuendettelsau untergebracht. Da ich pflegeleicht war und viel lächelte war ich dort ein Star und wurde richtig verhätschelt. Im Haus nebenan, drei Jahre vor meiner Geburt gebaut, wohnte meine Tante, mit Mann und neun Kindern. Später zogen wir da auch noch ein, eine Toilette und ein Bad für ca. 15 Personen, keine Heizung oder Warmwasser. Das ist auch irgendwie gegangen. Und es war immer was los. Irgendwann sind die dann ausgezogen.

Opa-War
Mein Opa, Jahrgang 1901, schon früh Vollweise geworden, war Sozialdemokrat, aber damit war 1933 erstmal Schluss. Da er “Guten Morgen” dem Nazigruß vorzog, bekam er Schwierigkeiten mit der Gestapo. Aber Dank Fürsprecher im Dorf renkte sich die Sache nach einigen Wochen ein.
1938 war Militärausbildung in Grafenwöhr angesagt. Nach dem Überfall auf Polen wurde er auch kurz dort eingesetzt. Sein Glück war, dass die Fa. Neumeyer aus Nürnberg kriegswichtiger Betrieb war. Als “unentbehrlicher” Mitarbeiter wurde er wieder in die Heimat abkommandiert. Er arbeitete weiter bei Neumeyer und war nun zur Heimatverteidigung einem Flak-Turm zugeteilt.

Opa-2Oma

Von meinem Grossvater soll ich die Schlagfertigkeit und des Hirn bekommen haben, scheinbar waren in dem Paket aber auch ein paar unangenehme Charaktereigenschaften dabei. Sei es drum, Gottseidank nicht die Gesichtszüge. Opa hatte eine frappierende Ähnlichkeit mit Joachim Ringelnatz.
Meine Großmutter, Jahrgang 1906, war eine bescheidene Frau, von der man sagte, sie habe es wahrlich nicht leicht in Ihrem Leben gehabt. Gesundheitlich kann ich das bestätigen. Wie sie selbst schwerste Erkrankungen trug war erstaunlich. Manieren und Höflichkeit hab ich ihr zu verdanken und vieles, vieles mehr....

 

mm-klein1mitVogel2
Auf dem Bild links (und rechts) war ich noch nicht 2 Jahre alt.
Das in meinen Händen ist ein kleines Vögelchen aus Plastik, an dem ich mich verlegen festhalte.
Ganz schön stabil so ein Vögelchen aus Plastik.
Naiv, wie ich auch  jetzt noch bin, glaubte ich alle Vögelchen seien so stabil wie dieses Vögelchen aus Plastik.
Meine Mutter war mit Frau S. gut bekannt, und Frau S. hatte eine Tochter, die beiden hatten ein kleines Vögelchen. Die Tochter, eine junge Dame, spielte mit mir. Ein Gummimainzelmännchen (Det ? oder wie hiess der ?) spielte dabei auch eine Rolle.

Doch noch mehr als dieses Mädchen mit ihrem bebrilltem Freund (es war Det) faszinierte mich dieser kleine Vogel, der im Zimmer umherflog. Kurzum ich hatte nur eine Erfahrung mit einem Vogel (Plastik), er überhaupt keine mit Kleinkindern (Killer-Mike). Von wegen zutraulich, leichtsinnig war er. Das Mädchen tobte und weinte, die Eltern in Aufruhr, ich geschockt, der Vogel tot (der schläft nur... Blödsinn!!!).
Nur Det grinste wie immer, als gäbe es nichts Böses in der Welt.
Det und das Mädchen haben nie mehr mit mir gespielt.

FaschingCowboy

Man erkennt es an meinem Gesicht.
Richtig, es ist Fasching. Das Jahr zuvor musste ich Rotkäppchen machen, weil meine Mutter das niedlich fand. Eltern! macht sowas nicht, davon kann man schwul werden... glaubte man zumindest früher.
In diesem Fasching bestand ich auf Cowboy, die Niederlage des Vorjahres musste ich mit einem Riesenrevolver kompensieren. Da kommt Freud auf. Die Drag-Szene hatte mich verloren.
Schurken nehmt euch in Acht, Marshall Maus sorgt für Recht und Ordnung.
Im darauffolgenden Jahr machte ich einen Indianer, die durften mehr.

KG-Tante
Mit zweieinhalb Jahren, vielleicht etwas jünger kam ich in den Kindergarten. Eigentlich musste man mindestens drei Jahre sein. Aber, da Mütter, vor allem alleinerziehende arbeiten mussten, gab es Ausnahmegenehmigungen. Einzige Bedingung war, man durfte nicht mehr in die Hose machen. Ich liess mir zwar den Hintern fremdwischen, aber in die Hose machte ich nicht mehr.
Einstellungskriterium knapp erfüllt!
Das rechts ist meine Kindergartentante. Man sagte Tante zu ihr und den Namen. Mir ist entfallen, wie sie heisst, wenn sich jemand an ihren Namen erinnert, soll er mir schreiben.
Ich hab sie in guter Erinnerung. Meistens war sie nett und fröhlich. Ich glaube sie hat uns Kinder sehr gemocht. Wie hat es die Frau nur geschafft, diese Kinderhorde zu bändigen. Eine Tante und bestimmt 30 Kinder. Respekt! .
Ich verbrachte den ganzen Tag im Kindergarten. Mittags gab es mitgebrachtes Essen. Der Eintopf oder Griessbrei war in so einem mit Bügeln verschliessbaren Essgeschirr, feldtaugliche Soldatenqualität. Danach wurden Feldbetten aufgestellt und man schlief. Das war einer der wenigen Augenblicke, wo die Tante etwas Ruhe hatte.
Der Pfarrer kam regelmässig vorbei, seltener seine Frau (die wir lieber mochten). Da betete man, bekam aus der Bibel vorgelesen, natürlich nur die kindertauglichen Geschichten. Wir wurden auf Linie gebracht, ständige Wiederholung schuf eine gewisse Vertrautheit mit den abendländischen Werten. Ansonsten wurde viel gespielt. Innen gab es Bauklötze und ein Kasperltheater, das zum Teil aus meinem Spielzeugfundus stammte.
Es wurden auch Geschichten vorgelesen. Da saßen wir auf Stühlen im Kreis und hatten zu schweigen. Man sperrte den Mund symbolisch mit einem Schlüssel ab und verschränkte die Arme. Wehe man zappelte oder schwätzte. Einmal wurde ich in einen Pappkarton verbannt, weil ich ungezogen war. Ich war zwar gekränkt, aber mir gefiel es in der Kiste. Da hatte ich wenigstens meine Ruhe.


KG-2Wenn es ging spielte man draussen. Es gab ein paar Geräte, Roller, Dreiräder, Sandkasten mit Eimer und Förmchen zum Kuchenbacken. Links sieht man einen Teil der tollen Ausstattung. Ich hielt mich an Gabi, die war nett und wohlerzogen. Im übrigen ging es sehr rauh zu, unsere Helden waren Winnetou und Old Shatterhand, die es neuerdings auch als Film gab. Jeder wollte Winnetou oder Shatterhand sein sein, meistens setzte sich Siggi durch. Wenn er es nicht wurde spielte er nicht mit, aber er war ein Super-Winnetou, das muss man ihm lassen. Für den Rest blieben je nach Rang die undankbaren Rollen übrig. Ich war schon froh, wenn ich nicht bei der Geierbande war. Wenn es mal wirklich eng für mich wurde, stand mir Manfred bei, schon damals eine imposante Erscheinung, der Ungerechtigkeiten nicht vertrug. Konsequenterweise ist er später Polizist geworden.
In Puncto Kleiderordnung war die Welt auch in Ordnung. Alle Mädchen trugen Kleider, oder Röcke und Blusen, drunter einen Unterrock und eine Strumpfhose. Kniestrümpfe waren schon sehr gewagt. Bei Jungen waren Hosenträger Pflicht, Gürtelhosen waren für Erwachsene. Lederboxen waren auch sehr beliebt, die waren robust und man konnte so schöne Spuren in den Sand rutschen.
Ein Ereignis blieb mir besonders im Gedächtnis haften. Es gab eine große Überschwemmung. Die Kirchgasse Landunter. Aus Richtung Oberndorf schossen riesige Wassermassen Richtung B 14, die Kuhgasse verwandelte sich in einen reissenden Fluss. Wir Kinder standen mit unseren Eltern unterhalb vom Beggermeier. Ein Leiterwagen, gezogen vom Pferd des Gärtner Meer, setzte uns über, das war schon sehr spannend für uns.

mitTelefon


Aus dieser Zeit dürfte auch das Bild auf der rechten Seite stammen. Das Telefonbild blieb keinem von uns erspart. Die Telefone waren damals viel kleiner als heute, made in Germany. Die Kinder von heute lassen sich weismachen, die Miniaturisierung sei eine Folge der Microchips und eine Erfindung der Japaner. Hanebüchen, was den Kindern heute für ein Schwachsinn beigebracht wird. Gut, dass ich das Bild von damals noch habe.

mitBier
Wer krank war brauchte nicht in den Kindergarten. Impfungen gab es gegen Polio, Pocken und Diphterie/Wundstarrkrampf. Mumps, Masern, Röteln, Scharlach, Windpocken wurden wie Pest und Cholera als Kinderkrankheiten angesehen.
Kinderkrankheiten wurden kaum behandelt. In meinem Fall mit Bettruhe und einer Flasche Bier. Auch wenn es Nährbier war, hiess das nicht, dass kein Alkohol drin war. Es war so eine Art süsses Leichtbier. Aber egal, dann lass ich mir eben von Mami noch eines bringen.
Es mag hart klingen, aber in den geburtenstarken Jahrgängen war ein kleiner Schwund mit eingerechnet
Nicoandme


Geteiltes Leid ist halbes Leid, plötzlich hatte ich einen Bruder, der die nächsten 12 Jahre kleiner als ich blieb. Sehr rücksichtsvoll von ihm. Er hatte viel mehr Temperament als ich, das ist bis heute so geblieben. Aufgrund des Altersunterschied taugte er die nächsten Jahre noch nicht zum Spielkameraden.
Da waren ja Fred und Heidi, die damals meine besten Freunde waren. Von Heidi muss ich noch nach ein paar Bildchen suchen. Heidi war und ist ein Pfundskerl. Bei ihrer Mutter schmeckte mir das Essen einfach besser als daheim. Zum Nachtisch gab es heisse Küsse. Das Leben von fünfjährigen ist einfach klasse!

fredandme

Fred konnte klasse fußballen. Sein Vater hatte alle Platten von den Päiterlersboum und von der Ratschkathl. Wenn sein Vater nicht da war, haben wir die Platten heimlich gehört. Das war halt noch Humor.... Sein Vater besass eine beeindruckend große Sammlung von kupfernen 2 Pfennigstücken. Sauber gerollt. Unmengen.
Die würden mal viel wert sein. Manchmal zeigte mir Fred die Sammlung. Wenn das sein Vater rausbekommen hätte... nicht auszudenken.

 

Planschbecken

Ein Bild das typisch ist für mich, im Planschbecken mit 25 cm Wasser, aber mit Schwimmreifen. Zugegeben, nicht besonders mutig, aber sicher ist sicher. Vor Wasser hatte ich irgendwie Angst, ich träumte oft davon, auf dünnen Brettern über die 100 m. tiefe Pegnitz zu balancieren.
Sogar später, wenn wir mit der Schule über die zwei Pegnitzbrücken (Platz für zwei Autos) zum Sportplatz gingen, durfte ich aus der Reihe. Genau darauf achtend, die Mitte nicht zu verlassen, bezwang ich, sehr sehr vorsichtig das Brückchen. Wurde später besser aber nicht wesentlich.

Wie haben wir unseren Alltag verbracht? Ich meine was konnte man unternehmen ausserhalb der Schule oder des Kindergartens. Die einzigen Computer waren 4 Bitrechner, die man für die Raumfahrt benötigte, Fernsehen nur 3 Programme, nix Farbe, Programmstart war mit der Kinderstunde, anfangs 17:00, später 16:00. Um Mitternacht war Schluß, Nachrichten, die Nationalhymne, kurz das Testbild, dann Schweigen im Walde. Es gab kein Videogerät oder DVD, CD... Fehlanzeige, Musikkassetten selten, Bonzen hatten Tonbänder. Selten Platten, meistens Singles, 45rpm, Kinder durften da eigentlich nicht ran. Ferienprogramme oder Freizeitangebote sehr dünn gesät. Okay die Jugendschar gabs, wenn man das denn ertrug. Kinder mussten sich selber was organisieren, für die Erwachsenen lief man nur so  nebenher.
Man ging ins Wäldler, baute Lager und Baumhäuser, bekämpfte die Kinder aus den anderen Strassen und bekam nicht selten was auf die Fotzn. Pfeil und Bogen, Schneppern und Rindenbötchen konnte fast jeder bauen, manche sogar Drachen. Brombeeren, Walderdbeeren aber auch Sauerampfer waren begehrt. Kirschenklauen war was für Mutige. Man machte Expeditionen auf die Pegnitzinseln. Das war aber weniger gern gesehen, besser gesagt, verboten. Komisch, ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein Kind ertrunken ist, an Erwachsene schon...  Im Sommer badete man im Sendelbach, im Pröll, bei der Pegnitz waren erste Bengertzbruck und die Wäiher beliebt. Der Sendelbach ist eigentlich ein Rinnsal, das kurz vor dem neuen Sportplatz (der alte ging bei der Verlegung der B14 drauf) in die Pegnitz mündete. Er führte unter der Straße durch, der Durchlass war ein stiller Ort, der mir sehr gefiel. 50 Meter vor der Straße war er mit ein paar Brettern aufgestaut. Dahinter konnte man baden. Als wir eines Tages darin bis zu 10 cm große Flußkrebse fanden trauten wir uns nicht mehr hinein, uns ekelte regelrecht. Ein paar Jahre später schwammen auf dem Sendelbach Schaumkronen, auf dem Wasser war ein Film in dem sich das Licht in den Farben des Regenbogen brach. Krebse fanden wir keine mehr. Endlich war das Wasser sauber genug, dass wir wieder drin baden konnten. So blöd waren wir damals. Aber eigentlich waren wir gar nicht blöd, wir glaubten ja nur das, was uns die Erwachsenen sagten, und die glaubten seit jeher an das, was die poltischen und wirtschaftlichen Führer ihnen verkauften. Wie kann man sich sonst erklären, dass man damals die Luft und Kernkraft für sauber, und Sex für schmutzig hielt?
Und, vor allem, Jungs spielten Fussi. Auf der Wiese wurden mit zwei Jacken das Tor markiert, ohne Feldbegrenzungen spielte man. Die beiden stärksten Spieler tippelten aus, dann wurde abwechselnd ein Mitspieler gewählt. Als Letzter gewählt zu werden war schlimm.
Noch schlimmer war, wenn es einen gratis dazu gab, solche konnte man getrost vergessen. Drei Ecken ergaben einen Elfmeter.
Oft wurde gestritten ob der Ball über die imaginäre Latte gegangen sei, oder ob er ”drin” sei. Nicht selten einigte man sich auf Latte.
Am Sportplatz war man den Launen des Platzwarts unterworfen, er erlaubte oder verbot, wie es ihm in den Sinn kam.
Auch rekrutierte er einen für alle möglichen Arbeiten, unbeliebt war die Maulwurfjagd, da floss Blut. Die versprochenen Eis wurden in der Regel nicht spendiert, daran glaubten aber sowieso nur die ganz Naiven.
Die Strassen spielten gegeneinander, die Qualität der jeweiligen Plätze waren höchst unterschiedlich. Unserer die Leipoldswiesen war in der Regel nur in Monaten mit R zu bespielen, oder nach der jeweiligen Mahd, die Waldsträssler hatten das gleiche Problem, manchmal auch die Kirchgass. Der Schätzlersgartn hatte ein Gefälle von 10 Prozent, die erste Halbzeit hangabwärts spielen zu können, das war praktisch der Sieg. In der Rosenstrass gab es Felsbrocken, teilweise schreibtischgroß. Diese wurden vom Kraizer abgeladen, um das Fußballen zu verhindern. Die meisten dieser Brocken haben die Rosensträßler beseitigt, die Riesentrümmer wurden taktisch in das Spiel integriert.
Wir hatten maximal gegen die benachbarten Waldsträßler eine Chance, mehr ging nicht. Die Rosensträßler waren für uns die Fußballgötter, unerreichbar!
Es gibt noch viele Geschichten über die Straßen mit ihren Banden, ihre Rivalitäten, Bündnisse, Kriege, die ich immer wieder einstreuen werde. Nun beginnt aber der Ernst des Lebens.