Volksschule

Für mich begann der Ernst etwas früher als für die meisten meiner Schollkameradn. Reichte es nicht, daß ich eine Aufnahmeprüfung auf mich nehmen musste, nur weil ich nach dem Stichtag geboren war? Ich konnte immerhin schon einigermassen lesen. Zugegeben es waren nur Bessi-Comics, aber immerhin, ich war ja erst fünf. Der Test war kein Problem, aber ich hasste nun mal Tests, und tue das bis heute.
Nein es reichte natürlich nicht, da bei mir aufgrund eines bestellten Amtsvormundes (wer hat den eigentlich bestellt? meine Mutter nicht, und ich auch nicht) ein Mitspracherecht des Jugendamtes bestand. Mama und Oma hatten Angst, daß ich ob der suggestiven Fragen irgendeinen Quatsch daherreden könnte. Soviel Aufhebens. Da klopfte mein Herz dann doch schon stark.
Mit einem geborgten Lächeln versuchte sich die Mitarbeiterin des Jugendamtes mein Vertrauen zu erschleichen. “Vielleicht erzählt dieses verkommene Subjekt etwas von seiner schrecklichen Kindheit”, dachte sich die alte Frau bestimmt. Tja da gab es aber halt nichts zu erzählen und die Wissens und Verständnisfragen waren auch kein Problem.... also geschafft!
Von Wegen!! Sie wollte nicht wahr haben, daß ich reif genug für die erste Klasse (!!) war und griff zum ultimativen Mittel, des innovativsten der frühkindlichen Diagnostik.
“Halte den Kopf gerade, greife dann mit dem rechten Arm über deinen Kopf und versuche dein linkes Ohrläppchen anzufassen.” Das ist kein Scheiß, den ich erzähle, so war es wirklich. Ich habe mit Mühe das Ohrläppchen erreicht und war somit im Team. “Ich erkenne da eine leichte Reifeverzögerung”, sagte Sie,” wir behalten Michael im Auge!”. So sollte es mir im Leben noch oft gehen. Ich musste immer mehr und extra machen, um das zu bekommen, was die anderen so bekamen. Später in der ersten Klasse war ich erstaunt, wer da so alles in er Schule war. Die konnten froh sein, daß sie diesen Test nicht machen mussten.

zweiteKlasse


Grundschulzeit:

Eines vorab. In der Grundschule war ich ein Arsch.... wie viele meiner Klasse, jeder auf seinem Gebiet. Versteht mich nicht falsch, ich versuchte mir keinen Vorteil zu verschaffen. Ich stand zwar ein bisschen im Abseits, aber ich hatte keinerlei Rachegelüste. Mein Fehler war, dass ich mich im Ringen um moralische Werte auf die Erwachsenen verliess. Ich vertraute ihnen und glaubte, dass sie ohne Fehl seien. Daher petzte ich... andere auch, aber ich ohne Not, ich war ja kein schlechter Schüler oder so... und bitte schön, wer so was macht, ist eben ein Arsch. Dank vieler Menschen, noch mehr Büchern und noch andauerndem Selbststudium (gnosi seauton!) überwand ich die krasse Phase des Arschseins und bemühe mich seither Rückfälle zu vermeiden. Gar nicht so einfach... aber einige auf dem Bild pflegten erfolgreich ihre damaligen Verhaltensweisen, es ist klar, dass ich da keine Namen nenne, dass würde ihnen nicht gerecht und würde den Eindruck erwecken, dass ich sie nicht möge. Und dem ist wirklich nicht so!
Die ersten eineinhalb Jahre verbrachten wir im alten Schulhaus, dem Gebäude, in dem sich nun die Gmaah und die Sparkasse befindet. Mein Elternhaus befindet sich ca. 2 Minuten vom Schulhaus entfernt, eine Minute zum Friedhof.... ich hab halt gern, wenn alles “ä bissl beinand” ist.
In der ersten Klasse hatten wir als Lehrerin die Frau Zehetner, eine ältere Dame, die so um die 45 Schüler unterrichten musste, in gemeinsamen Stunden mit der 2. Klasse, waren es fast doppelt so viel. Schon damals wurde aber peinlich darauf geachtet, dass die EG-Norm für die Grösse der Legebatterien für Hühner eingehalten wurde. Vom Unterricht weiss ich nicht mehr viel, bei den vielen Schülern konnte man ja gar nicht drankommen. So 40-50 Fragen stellte so ein Lehrer vielleicht am Tag, ich war kein Meldeaktivist, kam also alle 2-3 Tage mal dran. Einmal wusste ich, dass man Häuschen, Häus  - chen ausspricht, nicht mit Eszehaa, das wusste sonst keiner. Das wars dann aber auch schon.
Die Pausen damals kann man am Besten mit dem Spaziergang in Gefängnissen vergleichen, nur kürzer. Die Mädchen gingen durch den Vordereingang in den abgesperrten Pausenhof, Jungs betraten und verliessen, dass Schulgebäude durch den Hintereingang, an den stinkenden Pissoirs vorbei. Das wollte man den Mädchen nicht zumuten. Die Grenze zwischen Jungen und Mädchen war bewacht. Wenn man da drübergeschubst wurde.... das hatte unmittelbare Folgen. Nach dem Verursacher wurde nie gefahndet. Am nördlichen Teil des Pausenhofes stieg das Gelände stark an. Ein Zaun grenzte den Hof von einem Privatgrundstück ab. Der Platz, oben am Hang blieb den oberen Klassen vorbehalten. Ein paar 5. oder 6. Klässler schickten mich einmal den Hang hoch. Ich verstand zwar nicht was sie wollten, aber sie gingen mit mir die Sache mehrmals genau durch. Ich stapfte mutig den Hang hoch, der Pate wollte mich noch fragen was ich “Fruusch dou ohm wüll”. Ich, genauestens instruiert schlug ihm mit voller Wucht in die Eier. Er klappte zusammen, purzelte den Hang hinunter und wand sich unten vor Schmerzen. Für den war die Pause zu Ende. Die Umstehenden lachten, nur mir war sehr schlecht, da ich auf einmal die Konsequenzen ahnte. Aber zum Glück war der Pate weise, ich bekam eine Ermahnung, die Auftraggeber wurden durch seine Mitarbeiter schnell ausgemacht und brutal bestraft.
Im zweiten Jahr hatten wir Frau Friedberger als Klassenleiterin, die war ganz nett, verschwand aber zur Winterpause. Die Nebenfächer wurden von anderen Lehrern abgehalten.  Nebenfächer waren Religion, Turnen und Handarbeit. Man lernte alles vom Sticken zum Stricken. Kreuzstich und Nähen kann ich immer noch, auch stricken, aber die Maschen anlegen, die erste Nadel.... nichts zu machen. Da hat mir die Heidi immer geholfen. Häkeln ging leichter. Das konnte ich.
Pfarrer Schwemmer, den ich sehr schätze, brachte uns die Frohe Botschaft näher, mehr die einfachen Sachen. Der war im Krieg in Jugoslawien gegen die Partisanen im Einsatz, da hatten wir keine Chance.
Die neue Schule wurde im Neubaugebiet an der Blumenstraße errichtet. Schlecht für mich, das war weit, weit weg, gut für die Margit, die wohnte nun direkt neben der Schule. Am Bau der Quelle-Reihenhäuser dort war mein Stiefvater beteiligt. Da waren Menschen Nachbar, die sich nicht kannten, für uns war das unheimlich. Der Architekt des Schulgebäudes mochte Beton und grau, damals reichte es modern zu sein. Der Aufgang zu der Schule war zugleich Pausenhof. Hinter den Glastüren der Eingangsbereich, bei schlechtem Wetter diente er als Ersatzpausenhof, am oberen Ende ein Kiosk. Dort verkaufte der Henners (Fam. Girbinger) Essen, Süsses (aromatisierte Traubenzuckertabletten....lecker...) und Schulsachen. Später war um die Ecke ein Automat, an dem es Sinalco, Bluna und Afri Cola gab. Am Boden dieser Flaschen war immer etwas Satz, den man vorsichtig  aufschütteln musste, Afri Cola war viel fruchtiger als die heutige Plörre und Bluna..... einfach super!
Wie schon gesagt, das Schulhaus war weit weg. Ich konnte die Zeit die ich für den Schulweg brauchen würde nicht abschätzen. Wie man schon auf dem Bild mit dem Schwimmreifen im Planschbecken sieht, gehe ich in so einem Fall auf “Nummer Sicher”. Um 06:45 verliess ich das Haus, war es mal später holte ich das mit Dauerlauf leicht wieder ein. Spätestens fünf nach sieben war ich an der Schule. Ich stellte mich oben auf die Treppe, da hatte ich alles im Blick. Um viertel acht kam Herr Beck, der Hausmeister. Dem war es peinlich, dass ich immer vor ihm da war, aber wir mochten einander. Mit der Zeit taten mir natürlich die Füsse weh, ich entwickelte eine Technik. Ich belastete nur einen Fuss, dann nach ein paar Minuten, den anderen, dabei dachte ich über alles mögliche nach. Oh Gott war ich ein krankes Kind!!!
Dreiviertelacht standen wir in Zweierreihen, nach Klassen geordnet vor dem dem Eingang und betraten die Schule.
Das Gebäude war neu, neue Möbel, Supertafeln auf denen man auch mit farbiger Kreide malen durfte. Und es gab neue Lehrer. Jung, so nineteensixtieeight, von den arrivierten Lehrern wurden die misstrauisch beäugt. Vom Oberlehrer Brückner auch mal vor versammelter Mannschaft und Schülern dermassen zur Sau gemacht, bis sie weinten.
Unser Klassenlehrer war Herr Pflaumer, ein Superlehrer. Er führte ein Schülergericht ein, ein Richter (Gabi M.), zwei Beisitzer, Anklage und Verteidigung. Die Strafen waren härter als so mancher Lehrer es gemacht hätte. Ein paar mal landete sogar Herr Pflaumer auf der Anklagebank. So etwas hat uns tief beeindruckt. Er war ein grosser Erzähler, er fesselte uns mit seiner Geschichte “Die Hexe im Mordloch”. Er erzählte in der Ichperspektive, die grausig-gruselige Geschichte bannte uns, erstarrt blieben wir sitzen, als die Geschichte ihr Ende fand.
Ich hatte schon damals einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung, trotz aller Versagensängste trieb es mich in die Mitte, ich brauchte das Publikum. Die waren zwar alle recht genervt, aber weil es die Lehrer nett fanden (oder sich kringelig lachten) traute sich keiner was sagen. Das wäre aber nötig gewesen, denn mir war nichts peinlich. Regelmässig gab ich die neuesten Lieder von Heintje zum besten, wo ich die Stimme nicht kopieren konnte (also überall), kompensierte ich dies, indem ich die Choreographie eines Schlagersängers perfekt nachahmte. Es war wirklich schlimm.
Keine Frage, dass ich eine zweite Vorstellung durchsetzte, als man in einer kleinen Szene um einen Hahn (Hauptrolle) die Hauptrolle einem anderen geben wollte. Ich bestand auf meinem Vertrag, man hatte mir die Rolle versprochen, mit mir geprobt, nun sollte auch die Sache mit mir über die Bühne gehen. Basta. Hätte man mir gesagt, dass ich die Rolle nicht draufhabe, wäre es gegangen, aber so.... nicht mit mir.
Anderen ging es sicher ähnlich, aber ich hatte wohl eine etwas eigenartige Selbstwahrnehmung. ...Übrigens beim Kostümbasteln und als Vorleser bei einer Scherenschnittgeschichte hatte ich auch noch einen Einsatz. Hätte ich doch beim Sport auch soviel Ehrgeiz gezeigt.
Für Sport war Herr Bayerlein zuständig. Als Klasslehrer soll er super gewesen sein, bei dem lernte man wirklich was. Aber für die Klassen 1-4 war er furchteinflössend. Beim Bund war er Hauptmann der Reserve und hielt daher nicht viel von Weicheiern. Da er an die natürliche Auslese glaubte, aber nicht zu sehr auf sie vertraute griff er steuernd ein, wo die Natur zuviel Nachsicht zeigte. Wer die von ihm gesetzten Normen nicht schaffte, bekam eine Kopfnuss oder mit dem Schlüsselbund oder Staffelholz eine übergezogen. Der Turnraum im Keller des Gebäudes wurde von einem grossen Stützpfeiler dominiert. Fussball war ausser im Kreis zu laufen das einzige, was sich in diesem Heizungskeller machen liess. Beim Fussball schoss er die Delinquenten einfach ab, Überlebende mit noch bestehendem Restwillen wurden auf die Heizung gesetzt (Herbert R.) und gefügig gebraten.
In der Klasse von einem Freund gab es mal einen gebrochenen Arm, der aber ignoriert wurde. Eltern schritten wegen solcher Bagatellen nie ein. Zulässig war leise zu atmen, Fragen (richtig) zu beantworten und über seine Witze zu lachen. Ein minderer Verstoss wurde mit nach Seiten bemessenen Strafarbeiten geahndet. Wenn man dann in den Nachrichten sieht, dass sich erwachsene Soldaten beim Wehrbeauftragten beschweren, weil sie sich auf eine nasse Wiese legen müssen.....
Im Sommer (von März bis Oktober) ging er mit der Klasse auf den Hansgörgl, besser gesagt den Bannemann-Platz, und dort wurde Bannemann gespielt. Das machte wirklich Spass. Der Bannemann und seine Schergen berührte einen und man war gefangen und hatte auf einer exponierten Sammelstelle zu verharren. Die Gefangenen konnte man befreien, indem man sich geschickt anschlich und sie an den Schergen vorbeilotste. Das ging, da das Spiel in einem viele Hektargroßen Waldareal stattfand. Ich sprang gleich zu Anfang los lief in eine Richtung, immer weiter, über viele lehmige Hohlwege und versteckte mich. Dort hing ich meinen Gedanken nach und schmiedete perfekte Pläne zur Gefangenenbefreiung. Befreit hatte ich allerdings nie einen. Erwischt wurde ich auch selten. So weit zu laufen war den meisten zu doof.
Solche Sachen machten die anderen Lehrer nicht, da war Bayerlein schon Klasse.
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n der dritten und vierten Klasse hatten wir Frau Nodnagel. Die kannte ich schon, meine Mutter putzte dort. So war ich öfters bei der Familie und war bass erstaunt, wie man auch zusammenleben kann. Der Vater, ein Maler von Rang, bemalte in einem Zimmer, das Männi als Sparringsraum diente, die Wände. Die Eltern sprachen mit den Kindern, man trank zusammen Tee, und als mal Männi versehentlich den Tee mit Gelierzucker süsste, wurde darüber gelacht und nicht die Zähne gefletscht. Das hat mich schon tief beeindruckt.
Das beste Fach war Heimatkunde (Sachkunde). Dort hatten die jungen Lehrer etwas mehr Spielraum. Von den ehemaligen Frontkämpfern wurden Ihre Aktivitäten argwöhnisch beobachtet.
Wir vermaßen die Länge von Reichenschwand, machten ein Modell davon, wir besuchten Kapelle, Kirche und Schloß, erfuhren von den Furthenbachern und bekamen ein Gefühl, dass sich Geschichte überall abspielt, sogar in so einem Kaff. Jeder baute ein Modell vom Schloss, meines (mit Hilfe meiner Mutter) akkurat effektvoll (Gries als Kies!), Männis echt originell, winzig klein, wie aus 10 KM Höhe, auf sowas kam der immer.Schulzeit-Werken2




Der eiszeitliche Ursprung des weiten Pegnitztals wurde uns nähergebracht, der hohle Fels besucht (dort waren Neandertalerschädel bestattet), der Keltenwall abgewandert (warum graben die da nicht weiter?), die Nazistollen natürlich verschwiegen, Hügelgräber der Kelten aufgesucht (Giksi hatte natürlich Original Archäologen-Grabwerkzeug dabei), die Ziegelei besucht und vieles mehr. Alles wurde im Unterricht praktisch aufgearbeitet. Einmal bastelten wir steinzeitliches Werkzeug. Steinäxte und Feuerbogen. Gar nicht so einfach.
Ich hatte Glück. Ich fand was, dass schon wie ein Faustkeil aussah

Das Bild rechts und das übernächste hat mir Männi zur Verfügung gestellt. Dazu ist mir eine kleine Episode eingefallen.

Seit ich denken kann habe ich ich mich für die Natur, die Technik und die Wissenschaften interessiert. Nicht weil ich besonders klug war, sondern weil hier beschrieben und erklärt wurde. Ich interessierte mich für diese Werkzeuge, die einen helfen sollten, die Welt ein wenig besser zu verstehen. Soviel vorweg, geholfen hat es mir nicht viel. Ich weiss über die Welt nicht besser Bescheid als der Rest.
Ich bekam nur komplizierte Antworten (naja...)  auf meine einfachen Fragen. So wurden mit der Zeit auch meine Fragen komplizierter, die Leute die Lust hatten zu antworten wurden weniger und so blieben einem nur Bücher. Da es kindgerechte Wissenschaftsbücher nicht gab, bzw. mir nicht zur Verfügung standen, liess ich mir populärwissenschaftliche Bücher schenken, daneben las ich Astrid Lindgren (Pipi), Rolf Ulrici (Raumschiff Monitor), die Kinderklassiker Schatzinsel, Robin Hood, Tarzan, Robinson Crusoe, Störtebecker, Gulliver, Don Quichote und vieles mehr.

Bücher-1Wissenschaftsmäßig bekam ich Weihnachten 1970 Bücher von Heinz Haber und Gerhard Heberer. Auch wenn ich das Buch von Heberer nur zum kleinen Teil verstehen konnte faszinierte es mich und ich  nutzte es über viele Jahre hinweg.
Das kann ich allen Eltern nur empfehlen. Ein Buch das den Neigungen eines Kindes entspricht, darf durchaus auch mal etwas schwieriger sein. Man muss nicht alles gleich verstehen. Ein gutes Buch erklärt verständlich, oft wird in “kindgerechten” Büchern aus Gründen der Vereinfachung vieles falsch erklärt, und das hängt einem bis ins Erwachsenenalter nach.
Zu der Zeit bekam ich auch ein (autobiographisches) Buch des Raketenvisionärs Hermann Oberth geschenkt. Als Kind träumte er von einem Zug, der in den Weltraum fahren konnte und 1917 entwarf er eine mit Alkohol und Sauerstoff betriebene Rakete.
Die Amerikaner und ihr Apolloprogramm fesselten mich, ich saugte jede Information auf, an die ich kommen konnte. Heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen, da die Helden nur noch Mangafuzzies mit ihren Sammelkartenspielen sind. Die bemannte Raumfahrt, das war halt Abenteuer. Es ging rasant voran, ein Erfolg nach dem anderen. Der ersten bemannten Flug der Saturn (Apollo 7) im Oktober 1968 war schon eine Sensation, dann die Mondumrundung, die Tests der Landemodule, die Annäherung bis auf 14 KM, dann Juli 1969 die erste Landung, November die zweite Landung, das alles binnen 13 Monate. Es war einfach irre....
Mich interessierte nur noch die Weltraumfahrt, ich redete davon, ich träumte davon, ich malte Bilder davon. Dass im Werkunterricht der Hampelmann ein Astronaut sein musste, dürfte wohl klar sein. Mein Astronaut hampelte aber nicht richtig. Ich legte mehr Wert auf Authentizität. Grimmiger Blick, dicker Anzug gegen die Weltraumkälte, Multifunktionsgürtel mit den Plugs für die Überwachung des Kreislaufes und der Anzuginnentemperatur.
Schulzeit-Werken
Rainers Astronautenhampelmann funktionierte technisch dagegen einwandfrei, aber in seinem Milchflaschenanzug und mit unisoliertem Beinkleid, dem hätt’ ich auf dem Mond keine fünf Minuten gegeben.
God bless our heroe und Blumen für Witwe Mrs. Hühnerbein kann ich da nur sagen.
Bemalt wurde der Astronaut mit silberner Wasserfarbe. Das musste so sein, wegen der Reflexion.... damit sich der Anzug nicht aufheizt. Das ist trotz der Kälte das massgebliche Problem beim Aufenthalt auf dem Mond und somit unabdingbar für die realistische Darstellung eines Astronautenhampelmanns.
Damit hatte ich ein Riesenproblem. Ich hatte zwar einen guten Pelikanmalkasten, schon die grössere Ausführung mit 12 Farben und Deckweiss, aber kein Gold und Silber. Die gabs erst in den neueren 24 er Kästen oder in den ganz billigen No-Name Kästen, deren Farben aber nicht deckten.
Beim Girbinger konnte man zwar die Einzelfarben nachkaufen, aber die hatte nur das Standard-Sortiment. Gottseidank gab es die bezaubernden Keitzel-Sisters, ich glaub Martina wars, die mir aushalf.
Ich bekam das Silber und versprach feierlich es unverzüglich zurückzugeben. Aber im Weltraum ist es kalt, die Isolierung muss dick sein und das Sperrholz saugte die Farbe auf....... es war zum verzweifeln. Als ich mit dem Ergebnis zufrieden war hatte ich fast das ganze Döschen aufgebraucht, und ich wollte bei der nächsten Gelegenheit ein neues besorgen. Bei der silbernen Konfirmation (das hätte sich doch geradezu angeboten)  hab ich grad nicht drangedacht. Seitdem bin ich Martina noch was schuldig, aber wenn ich sie mal wieder treffe.... versprochen!

Auf dem Schulgelände war alles in fester Hand der Lehrer. Auf dem Betonsteinpflaster hatte man Aufenhaltsrecht, langsam gehen war erlaubt, im Winter hetscheln (“was soll das denn sein”) durch Bayerlein strengstens verboten. Wer den Rasen, dazu gehörte auch der Luftraum darüber, betrat, war fällig. Bei schlechtem Wetter blieb man im Vorraum, der leider neben dem Lehrerzimmer war. Schulleiter Brückner wurde durch geringstes Anheben des Lärmpegels ausgelöst, schoss heraus, brüllte bis alles geduckt war und knöpfte sich dann die meist weibliche Pausenaufsicht vor versammelter Mannschaft vor. Später hatte Brückner mal einen schweren Autounfall. Ob da alles in Ordnung war? Gehasst wurde er von den meisten, aber damals war sowas undenkbar.
Aber die Lehrer hatten ihre Augen eben nicht überall, so hat man das gemacht, was man als Viertklässler eben so macht. Man balgt sich, schubst sich gegenseitig, hebt den Mädchen den Rock hoch, weil sie das ärgert.
In den Klassen gab es eine feste Hierarchie, zumindestens bei den Jungs. Mich würde mal interessieren, ob es sowas bei den Mädchen auch gab. Naja vielleicht verrät es mir mal eine. Es gab die Bandenführer, deren Hauptleute, das Fussvolk und die Opfer. Opfer gab es wenige, vielleicht waren es zwei bis drei. Opfer waren in keiner Bande. Die Namen nenn ich hier nicht, aber da haben wir uns alle nicht mit Ruhm bekleckert. Die Bandenführer, zumindest ein Teil davon, griffen irgendwelche Anschuldigungen aus der Luft und verkündigten oft schon im Unterricht das Urteil. Den Opfern war bestimmt schlecht. Gab es mal keinen Schuldigen jagte man zwei Mädchen auf dem Nachhauseweg den Berg runter. Da machten auch die mit, die normalerweise die Opfer waren. Einmal bin ich eingeschritten und habe gesagt, dass das Verhalten ein Schwachsinn ist, und man müsse sich doch mal in die Gejagten versetzen. Einer der Hauptleute (es war am Fussgängertunnel am jetzigen Bahnhof) knallte mir eine Rechte in die Magengrube, ich hätte fast gekotzt.
Opfer war ich nie, aber die angesehenen Banden hatten für einen Zwerg, der dumme Fragen stellt keine Verwendung. Ich hatte losen Kontakt zur Bande von Männi, da waren ein paar drin, die Köpfchen hatten.
Aber einige derer, die ohne besonderen Grund, nur wegen des kindlichen Sadismusses der Rädelsführer, regelmäßig geschunden wurden, trugen meiner Meinung nach seelische Schäden davon.

Es werden hier noch weitere Episoden stehen, ich hab noch ein paar Geschichten auf Lager, aber, wenn einer von euch noch was weiss, auch von anderen Jahrgängen, über Lehrer .... schreibt mich bitte an.